Philosophie

 

Kirches-Ban.de


 
Kirches-Ban.de umkreist in seinen Skulpturen, Obstallationen und Projekten die Sehnsucht des befreiten Menschen nach Bindung, nach Bande. Dabei stehen die Idee der Ästhetik des weiblichen Körpers und die Ambivalenz der weiblichen Kraft im Mittelpunkt seines Schaffens. Seine oft kompakten, meist streng symmetrischen, immer meditativen Arbeiten vermitteln eine innere Ruhe und Gelassenheit.

Ban.de

Kirches-Ban.de sieht sich nicht als isoliert wirkendes Künstler-Individuum. Er sieht sich als Teil kleiner und größerer Netzwerke. Kirches-Ban.de definiert sich vor allem als Brennpunkt, als Anführer (Ban) einer Bande kreativer Menschen, die sich fortwährend weiterentwickelt. Kirches-Ban.de arbeitet an Projekten mit internationalen Künstlern.

Bindung

Die Zunahme des Stellenwerts der Individualität in spät-demokratischen Gesellschaften führt dialektisch zu einer zunehmenden Sehnsucht nach Bindung.
Der befreite, entfesselte heutige Mensch sehnt sich nach bindenden Beziehungen, nach bindenden Gefügen, sehnt sich nach Banden. Fesselnde Bindungen werden dann wieder als Einengung empfunden, aus der man erneut ausbrechen will, darf, kann. Es entwickeln sich Kreisläufe von Bindung und Befreiung. In allen Skulpturen, Obstallationen und Projekten von Kirches-Ban.de ist Bindung das zentrale Thema.
Und die Eindrücke früherer Bindungen, die oft sehr lange, ja manchmal wie Narben spürbar bleiben, werden bei den lebensgroßen Skulpturen aus gebrannter Erde flächendeckend, überziehen den ganzen Körper, werden zu einer zweiten Haut.
Die Figuren wirken wie in einem Kordelgeflecht gefangen, oder sind sie darin geschützt? Ebenso wie sie vom gegenüberstehenden Publikum und dem umgebenden Raum gleichermaßen beschützt oder bedroht sind? Obwohl die Bindungen längst abgeworfen zu sein scheinen, wirken die Eindrücke nach? Und es stellt sich die Frage: ist etwa ohne die Erfahrung von Bindung letztlich gar kein Erleben von Freiheit möglich?

Ästhetik des weiblichen Körpers

Die Ästhetik des menschlichen Körpers, die in den Blütezeiten globaler Hochkulturen eine bedeutende Rolle spielte, steht bei Kirches-Ban.de auch heute wieder im Brennpunkt des Interesses. Kirches-Ban.de geht es um die künstlerisch-ästhetische Darstellung des weiblichen Körpers in Skulptur, Obstallation und Projektkunst.
„Das Leben eines Menschen ist das Leben seines Körpers“, sagt der französische Philosoph Jacques Derrida: In seinem Körper vergewissert der Mensch sich seiner selbst, mit ihm zieht er aus zur erotischen Eroberung der Welt, der Körper ist Ort seiner Freuden, Leiden und Identität, Signum für Leben und Tod. Und so beschäftigt das Nackte von jeher die Künstler. Wie ein Spiegel zeigt das Bild vom Menschen das Bild der Welt. Sex, Schönheit, der Kult um Gesundheit, Wellness und Ernährung – so viel Nacktheit wie heute war nie. Doch trotz massenmedialer Bilderflut vom nackten Menschen kann der Akt in der Kunst nach wie vor schockieren – und ist brisanter denn je: Wo die Welt sich verflüchtigt, Gene manipuliert werden und der Mensch zur beliebig verfügbaren Masse wird, wächst das Bedürfnis nach Innehalten, erweist sich der Körper als letzte verlässliche Zuflucht. (Christine Claussen)

Obstallation

Kunst und Mensch stehen sich im konkreten Raum gegenüber, werden somit zu einer plastischen Einrichtung, zu einer Obstallation (Gegenüberstellung).

Der 1989 von Kirches-Ban.de geschaffene Begriff „Obstallation“ will den Stellenwert des Rezipienten von Kunst steigern und neu definieren. Der Begriff „Installation“ betonte hauptsächlich das Verhältnis zwischen einerseits dem Kunst-Ding und andererseits dem Raum. Demgegenüber verschiebt der Begriff „Obstallation“ den Akzent auf das Verhältnis zwischen einerseits dem Kunst-Ding im Raum und andererseits dem Menschen, der diesen Raum betritt und der dabei weit über die Rolle des früheren Kunst-Rezipienten hinausgehend zu einem im Kunst-Raum Mitagierenden und damit zu einem konstituierenden Teil des Kunstwerks wird.
Kirches-Ban.de konzipiert und realisiert seit 1990 Obstallationen im Ba Cologne, in Deutschland und auf internationaler Ebene. Dokumente dieser Obstallationen werden unter anderem präsentiert im Ba Cologne, Ort der Obstallation.

Projekt in progress

Eigenständige Skulpturen fügen sich ein zu einer Installation; erst durch das Hinzutreten des Betrachters entsteht eine Obstallation; die Skulpturen lösen sich dann wieder aus diesem Gefüge, um sich an einen anderen Ort in anderer Zusammensetzung zu einer neuen Installation zusammenzufinden, um dann erneut Menschen zu begegnen.
So wächst ein zeitlich offenes Projekt: Obstallation in progress.

„Am liebsten würde Winfried Kirches seine Ausstellungen fortwährend verändern. Schließlich kommt es ihm schon seit langem vor allem auf den kreativen Prozess an, in dem er seine Skulpturen in immer neuen Aktionen und ständig anderen Zusammenhängen präsentiert. Neue Sichtweisen interessieren ihn, die Kombination von Skulpturen mit Handlungen wie Tanz oder Performances. … Ein Kreis aus neun Frauen-Figuren auf Baum-Sockeln, in dem der jeweilige Betrachter als zehnte Figur die Situation komplettiert. Die Betrachter selbst zu einem Bestandteil der Kunstinszenierung zu machen, über die sie sich zugleich Gedanken machen, ist das wichtigste Anliegen von Kirches. „Obstallation“ nennt er seit über zehn Jahren dieses Konzept, das über die übliche Installations – Raum – Kunst – Idee hinaus will. Nicht weniger als den Stellenwert des Kunst-Betrachters will Kirches neu definieren. Seine künstlerische Konfrontation bringt dabei das denkbar elementarste Motiv in Stellung: den nackten weiblichen Körper, in Ton geformt und als Torso gestaltet. …. Die Einsamkeit des individualisierten Menschen der Moderne schlägt sich darin ebenso nieder wie sein nicht still zu legendes Begehren. …. Körper an Körper stehen die Betrachter mit den Frauen-Figuren, die abwechselnd bedrohlich und beruhigend erscheinen. Und während man über vergangene und zukünftige Bewegungen dieser Gestalten nachdenkt, spürt man, dass es vor allem die Ruhe ist, aus der sich ihre besondere Kraft ergibt.“ (Jürgen Kisters)