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Ausstellung

Ton-Torso an der Kreissäge


Von Karin M. Erdtmann

Bergisch Gladbach - Im Beet kauert eine Frau aus Sackleinen, andere Figuren liegen auf Holzstämmen oder stehen als Ton-Torso auf dem Blatt einer Kreissäge. Verbunden ist die mystische anmutende Szenerie durch Wege mit Split, die magische Kreise andeuten.
Es ist ein ziemlich ungewöhnliches Arrangement, das die Besucher zur Zeit vor und im Kreishaus am Rübezahlwald erwartet. Winfried Kirches, Objektkünstler aus Overath, hat das Verwaltungsgebäude zum Standort einer seiner “Obstallationen” auserkoren. Abgeleitet vom lateinischen Wort “obstare” soll der Betrachter vor allem “staunen”. Eine Fähigkeit, die in unserer hektischen Zeit im Bestreben möglichst “cool” zu sein oft verloren geht, wie Vize-Landrat Heinz-Gerd Neu bei der Eröffnung bedauerte. “Kunst muss man erleben”, sagte Neu und sprach zugleich von einer “schwierigen Aufgabe für den einfachen Politiker”. Für den, der es verstehe, sich auf das Dargebotene einzulassen, könne das Staunen jedoch schnell zum Genuss werden.
Gelegenheit hatten dazu vor allem die Besucher der Vernissage, auf der die Objekte durch Wort, Musik und Tanz zum Leben erweckt wurden. Zum rhythmischen Trommeln auf dem Sägeblatt fand eine Geigerin nicht nur zum Bolero, sondern schließlich zu einer eigenen Melodie. Die Tänzerin, die zunächst mit ihrem tönernen Pendant kommunizierte, zog es ebenfalls in den magischen Kreis, wo Urkraft, Schönheit, Hoffnung und Zerstörung wirkten. “Die Suche des entfesselten Individuums nach Bindung”, wie Kirches zuvor formuliert hatte, endete schließlich irgendwo zwischen Fröhlichkeit und Melancholie.
“Balusta II” hat Kirches seine Obstallation genannt, abgleitet vom Begriff Baluster, der kleinen Säule, auf der ein Geländer aufgelegt ist. Nach einer ersten Fassung, die vor einigen Wochen in Köln zu sehen war, soll die Triologie mit “Balusta III” im Sommer bei Kerpen abgerundet werden.

Im Kreishaus ist die Obstallation des Overathers noch bis 1. Juni montags bis donnerstags von 8.30 bis 18 Uhr, freitags bis 13 Uhr zu sehen.


Kölner Stadt-Anzeiger 4.5.01

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