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Die starken Frauen

Skulpturen-Ausstellung in der Ba-Galerie
Kirches-Ban.de beschäftigt sich künstlerisch mit der Opferrolle der Frau


Von Jürgen Kisters

EHRENFELD - Frauen inspirieren Winfried Kirches zu seinen Skulpturen, geformt im traditionellen Bildhauermaterial Ton. Seit Jahren zeigt der Kölner Künstler unterschiedliche Formen ihres nackten Körpers, um die Nuancen weiblicher Erfahrung zum Ausdruck zu bringen. In seinen neusten Plastiken, die er wie häufig als Installation in seiner eigenen Ba-Galerie ausstellt, beschäftigt er sich vor allem mit der Thematik des Opfers - "also mit zentralen Fragen abendländischer Werte", sagt der 1949 geborene Künstler. Trotz seines Austritts aus der katholischen Kirche spürt er seit einigen Jahren, dass gerade die Besinnung auf und die Auseinandersetzung mit christlichen Werten beim Thema Opfer von aktueller Bedeutung ist.
Im Zentrum stehen vier zentrale Skulpturen-Torsi weiblicher Körper, die in Form eines Kreuzes angeordnet sind und so an die Geschichte der christlichen Tradition angebunden werden. Die Opfergestalt des Christus erscheint darin gleichermaßen als Prototyp unserer abendländischen Kulturerfahrung und Ausgangspunkt der gegenwärtigen Dimension des Themas, bezogen auf die Frau.
Was bedeutet das Opfer in einer Kultur, in der alle Menschen nach Freiheit und Unabhängigkeit streben und scheinbar alles möglich ist? Christliche Bücher in gefängnisartigen Metallgitter-Sockeln, auf denen die Frauen-Skulpturen stehen, eine sich spielerisch zwischen roten Kunststoffstäben erhebende Gestalt und der aufgeschnittene Körper, aus dem rote Kugeln herausquellen, lassen nicht wenige Betrachter ratlos zurück. Die Video-Wand-Projektion einer Nackten in der Pose der Gekreuzigten erweitert die Inszenierung zusätzlich um ein bewegtes Bild.
Die klassische Dimension einer an Michelangelo und Aristide Maioll orientierten figurativen Skulptur trifft bei Kirches auf die formalen Brüche der künstlerische Moderne. An dieser Schnittstelle wirft er seine Fragen zur Beziehung von weiblicher Erfahrung und Opferverhalten auf.
Wie unterscheiden sich die weiblichen Fähigkeiten des Sichaufopferns in der Familie und am Arbeitsplatz, im privat-häuslichen und im öffentlichen Leben? Welchen Anteil hat die tendenzielle Veränderung der weiblichen Opferbereitschaft an der aktuellen Verunsicherung zwischen den Geschlechtern, der Erziehungskrise und im Bruch zwischen den Generationen? Und wie viel Bedarf an Opferbereitschaft ist für eine Gesellschaft unumgänglich?
So zeigt sich im Spiegel von Kirches Skulpturen etwa, dass das lange Beständige in der Frauenrolle - sich aufopfern als Mutter oder Ehefrau - in unserer Zeit seine Gültigkeit eingebüßt hat. Gleichzeitig wird der Rückgriff auf die Beständigkeit und Wirksamkeit klassischer Frauentugenden - sich kümmern, Einfühlungsvermögen, Beharrlichkeit - wiederum als das vor Augen geführt, was den unverwüstlichen Kern des Menschlichen ausmacht und einer verunsicherten, individualisierten westlichen Kultur aus ihrer Krise heraushelfen könnte.
Winfried Kirches bildhauerischer Blick auf die Frauen ist gleichermaßen von Bewunderung und Ratlosigkeit geprägt. So fragt der Künstler zum Beispiel mit der Skulptur einer Schwangeren, "warum das Kinderkriegen für viele Frauen inzwischen ein Opfer darstellt". Doch mit der Kraft und Stärke der von ihm dargestellten Frauenkörper stellt er zugleich klar, dass die Opferrolle der westlichen Frau für ihn kulturell überwunden ist.

Ba-Galerie, Neptunplatz 7, Di, Do 16-19 Uhr, Sa 11-14 Uhr, bis 24.2.

Kölner Stadt-Anzeiger 18.1.07

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