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Ba-Zentrum

Umwickelte Körper

Ein “Ort für Obstallationen” in Ehrenfeld

Von Jürgen Kisters

Aus dem Bergischen sind Winfried und Julitta Kirches vor einem Jahr mit ihren künstlerischen Ideen nach Köln (um-) gezogen. Hatten sie dort den ehemaligen Bahnhof von Overath zum Kunstort gemacht, sind sie jetzt am Ehrenfelder Neptunplatz künstlerisch heimisch geworden. Nach Monaten der Eingewöhnungsphase und mehreren kleinen Aktionen haben sie die Räumlichkeiten mittlerweile so umgebaut, dass sie ihr seit langem erprobtes Kunstkonzept auch in Köln wiederaufnehmen können. Dazu gehört neben einem “gewöhnlichen” Ausstellungsbetrieb vor allem die Inszenierung mehrdimensionaler Ereignisse, die regelmäßig jeden dritten Freitag im Monat an ihrem “Ort für Obstallationen”, dem sogenannten “Ba-Zentrum”, stattfinden.
Obstallation ist ein von den Kirches erfundener Begriff für die Verbindung von figürlicher Plastik, Aktions- und Installationskunst, die der Künstler Winfried Kirches seit vielen Jahren realisiert. Darüber hinaus wurden die Buchstaben “Ba” zum motivischen Leitgedanken seiner Kunst, indem Kirches darunter nicht nur den kulturübergreifenden Laut, sondern zugleich eine (ernste und witzige) Bedeutungsformel sieht, unter der sich Themen aller Art bündeln lassen.
Nicht nur, dass Winfried Kirches um sich herum eine “Bande” Kunstinteressierter versammelt hat; auch die Bedeutung des Lautes “Ba(h)” in der frühkindlichen Sprachentwicklung für Vater und das kulturelle Verbot für “Ekliges” interessieren ihn. Die zwei Buchstaben werden so zum Sinnbild für eine (künstlerische) Motivik, die sich unermüdlich mit Erfahrungen von Bindung und Fesselung, Schutz und Gefangensein, zumeist im Zusammenhang mit (weiblicher) Nacktheit herumschlägt.
Das steht auch im Blickpunkt der Ausstellung, die Winfried Kirches jetzt gemeinsam mit dem Düsseldorfer Künstler Rolf Theißen gestaltet hat. In den vielen kleinen Zellen und einem größeren Raum des ehemaligen Bordells zeigt Kirches gegenständliche Skulpturen umwickelter Frauenkörper und Theißen photographische Leib-Inszenierungen im Spannungsfeld von Fesselung und Ent-Grenzung (aufgenommen mit extrem langen Belichtungszeiten).
Hatten sie zunächst die vielen kleinen “Zellen” abreißen und zu einem einzigen Galerieraum umwandeln wollen, sehen Winfried und Julitta Kirches mittlerweile gerade in der besonderen, kleinteiligen Raumverteilung eine künstlerische Chance und Herausforderung, eine “Stätte der Wollust” zum “Ort der Reflexion” zu machen. Und sie wünschen sich das “Ba-Zentrum” als einen “Schauplatz in stetiger Verwandlung”, an dem einen Brücke zwischen Kunst und Lebenskunst geschlagen wird. (j.k.)

Ba-Zentrum, Neptunplatz 7; Di., Do. 16-19 Uhr.

Kölner Stadt-Anzeiger 24.7.99

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