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Neuauflage der Kalker Kunstmeile


Anette von Czarnowski

Nach Artfair und Art Cologne geht das Kunstleben in den Vororten weiter: Die frisch gegründete Stiftung "Kalk Gestalten" hat sich der traditionellen "Kalker Kunstmeile" angenommen. Konnte sie 2004 wegen Geldmangels nur in abgespeckter Form (was nicht auf Kosten der Qualität ging) als Kunstroute Kalk statt finden, wurde jetzt, dank Stiftungskapital, wieder aus dem Vollen geschöpft. Eröffnungsort war denn auch nicht, wie traditionell, das Bezirksrathaus, sondern das ebenso neue Einkaufszentrum Köln Arcaden - nebenbei mit 200 000 Euro Einlage größter Unterstützer der Stiftung.
Neue Wege will auch das Ausstellungskonzept gehen: statt statischer Präsentation in den Schaufenstern der Kalker Hauptstraße setzt man auf Events und Aktionen. Winfried Kirches, der Künstler, dessen Werk zur Eröffnung in den Köln Arcaden präsentiert wurde, konnte sich damit voll identifizieren: Für die Inszenierungen seiner Skulpturen kraftvoller Frauenakte prägte er den Begriff "Obstallation". "Eine Installation bleibt im Rahmen. Bei meinen Obstallationen stelle ich Betrachter und Werk gegenüber".
Mit einer statischen Aus- oder Aufstellung ist es da nicht getan: Zur Eröffnung konnten 25 Besucher, die das Glück hatten, eine Karte zu ergattern, die Eröffnung seiner Obstallation "Balusta Bhava 3" miterleben. Christine Koch als Tänzerin bewegte sich zu den Klängen von Oliver Engels´Oboe um vier Frauentorsi aus Ton, angebracht auf durchbrochenen röhrenartigen Metallständern, erst angespannt und säbelschwingend, zum Ende hin entspannt und "mit sich im Reinen". Tänzerin und Musiker sind Teil der "Kirches-Ban.de", einer Ansammlung kreativer Menschen um Bandenführer Kirches: "ich bin der Anführer, der Regisseur, der die Obstallation inszeniert" Kirches selber hätte es gerne spektakulärer gehabt - so schilderte er in der Eröffnungsrede seinen Kampf mit den für die Sicherheit zuständigen Beamten um die Erlaubnis, wenigstens ein Flämmchen in Teelichtgröße entzünden zu dürfen. Letztlich gebührt ihm das Verdienst, den alten Wasserturm, letztes Erinnerungsstück an die industrielle Vergangenheit des Geländes, der seit der Eröffnung der Köln Arcaden ein traurig-eingebautes Dasein zwischen Parkhaus und Kaufhaus fristet, wieder zum Leben zu erwecken. Der Wasserturm ist Ausgangspunkt von Kirches´Präsentation, weitere Skulpturen ziehen sich durch die Köln Arcaden, die Fährte endet im Ladenlokal einer Kette für Outdoor-Bekleidung (hier passt das Logo).
Last but not least hätte man den Initiatoren gewünscht, etwas mehr Energie in die Herstellung von Informationsmaterial zu stecken. Ein unübersichtlicher Flyer ohne Adressen könnte dafür sorgen, dass die Kalker "unter sich" bleiben. Oder wissen Sie, wo das "Udmurtische Holzhaus" liegt?

report-k(oeln).de, Kölns Internetzeitung, 4.11.05


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